Dienstag, 23. Dezember 2008

Seychellen - Reisebericht Teil 1

Der Flug auf die Seychellen dauerte von Frankfurt aus 9,5 Stunden. Check-in, Passkontrolle usw. brachten wir in Frankfurt ohne Warteschlangen schnell hinter uns, dafür mussten wir auf das verspätete Flugzeug warten. Das einzig Unangenehme abgesehen von dem langen Flug waren die Stinkefüße hinter Nicole. Sie deuteten an, dass es der "Urlaub der Gerüche" werden sollte. Ich hatte meinen ersten Urlaubsflirt bereits im Flugzeug mit Michael, einem Seychellois, der tatsächlich dachte, ich setze mich auf den Platz neben ihm, nur weil er mit seinen Händen ständig Andeutungen machte.. Ich habe ihm später erklärt, dass der Knochen nie zum Hund kommt, weiß allerdings nicht, ob er das verstanden hat :-)

Die Seychellen liegen im Indischen Ozean nördlich von Madagaskar, östlich von Mombasa/ Kenia. Der Inselstaat besteht aus 115 Inseln (Granit- und Koralleninseln), davon ist Mahé die größte: 27 km lang und 8 km breit. Insgesamt haben die Seychellen 82.247 Einwohner (Stand Juli 2008) wovon 55.000 in der Hauptstadt Victoria auf Mahé leben. Die Temperaturen bewegen sich im gesamten Jahr zwischen 24 und 30 Grad Celsius. Es gibt 3 Landessprachen: Kreolisch (Seselwa), Französisch und Englisch. Die Seychellen sind uns zeitlich 3 Stunden voraus.

Samstag, 13.12.2008


Der Flughafen auf Mahé liegt direkt am Meer, dennoch kam das Urlaubsfeeling nicht nur durch den tollen Ausblick, sondern vor allem durch mindestens 80% Luftfeuchtigkeit bei 30 Grad Celsius zustande. Nach der Passkontrolle und Visavergabe tauschten wir mit Michael Nummern aus, wir dachten:"Wer weiß, wozu das noch gut ist..".


Wir hatten bereits ein Taxi von Deutschland aus bestellt. Ein Deutscher wollte erst mit uns fahren, entschied sich dann jedoch anders. Bengt hieß er, und er sollte uns noch nützlich werden.. Vom Flughafen aus fuhren wir durch die "kleinste Hauptstadt der Welt", Victoria, über einen Berg nach Beau Vallon, einem der schönsten Strände von Mahé. Die Landschaft ist sehr sehr grün, kleine Häuser stehen versteckt zwischen Palmen und Granitfelsen, das türkisblaue Meer bildet einen schönen Kontrast zu feinsandigen Stränden und grünen, tropischen Wäldern. Im Gästehaus angekommen, wurden wir zuerst auf die stark ansteigende Kriminalität vorbereitet. Wir sollten alles in den Safe schließen, nichts herumliegen lassen, keine Klamotten an die Fenstern hängen, sie würden geklaut werden. Außerdem sollten wir noch ein weiteres Vorhängeschloss zu unserer Sicherheit bekommen. Das kam zwar nie, wir erfuhren jedoch schnell, warum dieser Trubel veranstaltet wurde. Eine deutsche Familie im Zimmer nebenan wurde einige Tage zuvor ausgeraubt. Ein Einheimischer stand nachts einfach in ihrem Zimmer und nahm alles mit, was er kriegen konnte (vor allem Geld und Mobiltelefone). Er hatte durch die Fenster, die wegen ihrer Lamellen-Form nie ganz geschlossen werden können, durchgefasst und den Schlüssel der Tür umdrehen können. Nach dieser Erzählung zogen wir den Schlüssel ab und legten ihn auf den Schrank, außerdem stellten wir zur Sicherheit immer einen Stuhl vor unsere Tür, damit wir wach werden würden, wenn sich jemand Zugang verschafft. Wir haben allerdings keine Erfahrungen mit Einbrechern gemacht.


Nach unserer Ankunft und der ausführlichen Einweisung verschaffte ich mir erstmal einen Überblick über den Strand Beau Vallon ("schönes Tal"). Es waren wenige Touristen zu sehen, der Blick auf Palmen am Strand war Bilderbuch-verdächtig. Dann kam der große Schock: Das Wasser hatte mindestens 28 Grad! Wie soll man sich da abkühlen??? Nicole und ich liefen dann noch mal gemeinsam an den Strand und versuchten Essensquellen auszumachen. Klar war: Die Lebensmittelversorgung sollte nicht ganz einfach werden. Wir aßen in einem recht teuren Restaurant am Strand, Hühnchen Coconut Curry, und waren über die Preise in Euro überrascht. Die Landeswährung ist eigentlich der Seychellen Rupee, viele Hotels und Restaurants haben allerdings Euro-Preise in ihrer Karte. Nicole musste noch mal zurück zum Gästehaus, um Euro-Nachschub zu holen. Dabei hatte sie eine unangenehme Begegnung mit einem Bus, und damit ihren ersten blauen Fleck. Wenn etwas Mangelware auf den Seychellen ist, dann sind es Bürgersteige. Die Straßen sind eng und daneben gibt es entweder Mauern oder tiefe Gräben, die das Ausweichen von Autos und Bussen unmöglich machen (es wird also auf die Ausweichmanöver der Fahrzeuge vertraut). Scharfe Kurven und die dadurch eingeschränkte Sicht machen einen Spaziergang zum Nervenkitzel. Am späten Nachmittag nach einem heißen Bad im Meer gingen wir zurück zum Gästehaus und fingen mit unserer Urlaubslektüre an. Als wir ankamen fing es an zu regnen und schien nicht mehr aufzuhören. Im Dezember beginnt die Regenzeit auf den Seychellen und dauert bis Mai. Etwa um 20 Uhr kam ein Anruf von Michael. Der Regen war wieder vorbei, und wir gingen mit ihm in die Pizzeria gegenüber essen. Die Pizzeria Baobab ist toll: Direkt am Strand, ein schöner Biergarten, und die Pizza schmeckt wie vom Italiener. Außerdem kostet sie nur um die 70 Rupees, das sind ca 3,30 Euro. Um 22 Uhr wollten sie dann schließen und wir liefen zum Berjaya Hotel. Dort tranken wir bei kreolischer Live-Musik einen Cocktail und schlenderten am Strand zurück zum Gästehaus. Es war Vollmond und die Schatten der Seychellen-Flughunde huschten über den nassen Strand, das warme Wasser des Indischen Ozeans hatte in diesem Moment eine beruhigende Wirkung. Michael lud uns zu seiner Familie, besser gesagt zu seiner Schwester, zum Mittagessen am nächsten Tag ein. Wir sollten das kreolische Leben näher kennenlernen.

Sonntag, 14.12.2008

Morgens wollten wir zuerst zu der Tauchschule gehen, mit der ich bereits in Deutschland Kontakt aufgenommen hatte. Als wir ankamen und nach dem Kurs fragten, den wir Montag beginnen wollten, sagte uns die Besitzerin, dass das Boot durch den starken Wellengang vor einigen Tagen beschädigt wurde, und zuerst in Reparatur müsse. Den Kurs könnten sie uns leider nicht anbieten... Etwas deprimiert liefen wir am Strand entlang, um zu den anderen Tauchschulen zu gelangen. Wir sahen ein Boot mit Tauchern nahe dem Ufer und erkannten Bengt, das war der Deutsche, der uns am Flughafen wegen des Transfers angesprochen hatte.
Nicole fragte ihn, ob er tauche und eine Tauchschule empfehlen könne. Eine Freundin von ihm, Nadja, sollte morgen mit einem deutschen PADI Tauchkurs beginnen, wir sollten Lizzy, die Lehrerin fragen, ob sie uns noch aufnehmen könne. Lizzy war sehr nett und bat uns an, das Buch gleich abzuholen und schon mal vorzulernen, denn Nadja habe schon vor 2 Wochen mit dem Lernen begonnen... Da wir aber die Verabredung mit Michael hatten, wollten wir erst Montag mit dem Kurs und dem Buch beginnen (trotz schlechten Gewissens). Lizzy erklärte uns, dass es ganz einfach sei, die Tauchschule zu finden. Ein großer Walhai sei das Erkennungszeichen direkt an der Straße. Wenn das nicht was Gutes zu bedeuten hat...













Die
handtellergroße Seidenspinne (Palm Spider) und der Seychellen Skink...












Sternfrucht
und Brotfrucht...

Wir fuhren mit dem Bus nach Victoria, der alle halbe Stunde von Beau Vallon abfährt. Eine Busfahrt kostet immer 3 Rupees (ca. 15 Cent), egal zu welchem Ziel man gelangen möchte. Am Busbahnhof in Victoria wartete Michael schon auf uns. Zu seiner Schwester war es noch eine längere Busfahrt. Sie wohnt in der Nähe von Grand' Anse (großer Strand), im tropischen Wald auf einer Anhebung. Wir wurden von ihren Töchtern und ihrem Sohn begrüßt.


Ein Enkel war auch dabei, Claudio, mein zweiter Urlaubsflirt ;-) Hätte ihn am liebsten mitgenommen. Er hat einen italienischen Vater, wobei die Wurzeln nur schwer zu erkennen sind ;-) Seine Mama ist erst 17 Jahre alt, leider keine Seltenheit auf den Seychellen.








Im Garten gab es viele Katzen, zur Freude von Nicole. Da auf das Wohlergehen von Haustieren nicht unbedingt sehr viel Wert gelegt wird, versuchte Nicole jeder Katze von ihrem eigenen Mittagessen etwas abzugeben.




Ein Männchen des Madagaskar Webers...










Ein Obstbaum war mir neu: Jamalac (Zanmalak). Die Früchte sind rosa bis rot und sehen von außen so aus wie Granatäpfel in Birnenform. Sie haben einen Kern, ihr Fruchtfleisch ist weiß und faserig. Der Geschmack ist wässrig, süß mit einem Hauch Säure, kommt von dem was ich kenne dem Apfel am nächsten, aber doch ganz anders.



Die Wohnungen der Seychellois sind voll von kleinen Dingen, die schnell verstauben. In Vitrinen und auf Schränken stehen Muscheln, Fläschchen (Gina, die Schwester von Mike hatte ein Faible dafür), Pokale, Porzellanfiguren etc. Eine Veranda hat jedes Haus, meist steht sie voller Gerümpel.


Bald gab es essen: Hühnerbeine/-flügel, Schwein, Kartoffeln und Reis. Fleisch gibt es meist nur am Wochenende, 1 mal pro Woche, weil es im Gegensatz zu Fisch sehr teuer ist. Nach dem Essen liefen wir den Berg runter zu der nächsten Bushaltestelle.















Der Bus brachte uns nach Port Launay, einer kleinen Bucht im Westen der Insel. Dort waren sehr viele Gruppen von Indern, und Michael erzählte uns, dass sie als Gastarbeiter auf die Seychellen kommen.
Viel los in Port Launay auf der
Straße...






















Ruhiger Strand und keine Wellen...












Nach Entspannung am Strand
und vielem Beäugt-werden, weil wir einige der wenigen Touristen an dem Strand waren, fuhren wir zurück nach Victoria und von dort aus nach Beau Vallon.

Es gibt Bilder, die ich nicht fotographisch festhalten konnte... Das schönste Bild für mich an diesem Tag war der Hindu-Tempel in Victoria bei Dämmerung, vor der Kulisse tropisch-bewachsener Berge über den viele Flughunde kreisten.



















Tagsüber ist der Seychellennektarvogel zu sehen (nicht verwandt mit dem Kolibri) und nachts viele Flughunde...

Keine Kommentare: