Vor einiger Zeit wollte ich schon einen Post über die Mentalität der Australier schreiben, aber bisher fehlte mir der "Stoff" und auch jetzt kann ich natürlich keine genauen Aussagen machen. Zudem sagen die Australier selbst, dass (wie auch in Deutschland oder anderen Ländern) die Mentalitäten innerhalb des Landes sehr unterschiedlich sind - verständlich, wenn die Fläche dieses Landes 21 Mal so groß wie Deutschland ist.
Zu den Sydneysidern kann ich aber einiges sagen. Das wichtigste ist wohl, dass Sydneysider denken, Sydney und sie selbst sind der Mittelpunkt der Welt. Hier wird Fernsehen gedreht, hierher kommen viele neue Firmen, hierher kommen Celebrities (wie letzte Woche David Beckham - und alle ticken aus) - vor einigen Jahren war Melbourne noch DIE Stadt...
Natürlich ist auch ein bisschen Arroganz zu spüren und "Nationalstolz", wenn man es so nennen kann, weil die beiden Hauptzeitungen auch nicht mehr als nationale Nachrichten liefern, und auch die Aufbereitung ist nicht unbedingt State of the Art. Der Daily Telegraph liest sich eher wie die Bildzeitung. Ach, wie ich die FAZ vermisse!
Um ihren Touch von Arroganz zu rechtfertigen, tun die Sydneysider aber auch etwas... Ich wundere mich wirklich jeden Tag, wie viele hier regelmäßig Sport machen, ob im Fitnessstudio oder joggen, Rad fahren.. Wahnsinn.. Und die Frauen, die kein Workout machen, zeigen freudig ihre üppige Oberweite, denn an der Arbeit werden oftmals schon Abendkleider getragen und auch dort darf man teilweise was zeigen... Die Themen vieler junger Sydneysiderinnen drehen sich um die Haarfarbe, Länge der Fingernägel, Kosmetik, News der Celebrities, etc. - manchmal wirklich nur zum Schmunzeln...
Neben der Fitness sind die Sydneysider auch stolz auf die nationalen Designer, deren Klamotten in Kaufhäusern wie Myers und David Jones gekauft werden können. Auch deswegen laufen viele Sydneysider in Kartoffelsäcken, bunten Blümchenkleidern mit gestreiften Leggins und Netzstrümpfen oder in Glitzerfetzen mit Ballonärmeln herum... Die Toleranz, was Kleidung angeht, ist unbegrenzt!
Auch sonst sind die Sydneysider sehr tolerant. Ob sich jemand im Bus die Fingernägel schneidet oder die Freundin dem Freund einen runterholt (ja, wirklich!), scheint hier niemanden zu stören...
Geprägt ist Sydney natürlich, weil es ja kaum richtige Australier gibt, es ist ein Mix von Asiaten und Europäern, manchmal sieht man auch einen Aboriginee, Araber oder Afrikaner. Die absoluten Gewinner in meinen Augen, was toleranzwürdige Kleidung und Frisuren angeht, sind die Japaner.
Je nach Stadtteil gibt es unterschiedliche Gestalten, die das Bild prägen. Newtown hat viele Punks und Gothic-Anhänger, Paddington ist schwul und die östlichen Vororte werden von Hausfrauen mit Kindern belagert. Schön ist auch die Mischung von Anzugträgern und Strandgängern in den Bars von Bondi und Coogee anzusehen.
Toleranz oder einfach schlechter Geschmack stellt sich beim Essen und wie ich finde auch bei dem Bier (Tooheys) heraus. Wenn man auch schon Vegemite auf dem Brot isst, das ist so was wie Maggi in geleeartiger Form... Und auch sonst muss ein Restaurant nur "hip" sein, aber nicht unbedingt schmecken. Anders ist es nicht zu erlären, dass der schlechte Peruaner, der schlechte Italiener, der schlechte Thai und die anderen schlechten Restaurants in Randwick doch immer das Haus voll haben.. Es gibt natürlich auch sehr gute Restaurants, und auch wenn eine Sushikette nicht unbedingt als Restaurant bezeichnet werden kann, sollte man auf jeden Fall mal zu Sushitrain gehen oder man wählt ein Fischrestaurant - der Fisch schmeckt hier einfach anders und hier gibt Jakobsmuscheln zu sehr günstigen Preisen und fantastischen Fisch wie Baramundi oder Kingfish. Leider wird aus dem guten Fisch auch fish n chips gemacht, das haben sie leider von den Engländern.
Tolerant scheint die Stadt auch gegenüber den Taxifahren zu sein. Was sich hier alles Taxifahrer schimpfen lassen kann, die wenigsten kennen die Stadt und oft muss man ihnen erklären, wie sie fahren müssen, um an das gewünschte Ziel zu kommen.
Als "gebungsfreudig" stellen sich die Sydneysider heraus, wenn es um Bettler geht, sehr sympathisch.
Die Lässigkeit der Australier ist nicht nur durch das oft gehörte "no worries" zu spüren, sondern auch darin, dass Höflichkeitsregeln manchmal unter den Tisch fallen. Beispielsweise ist es selbst im Business nicht unbedingt üblich, sich zur Begrüßung die Hand zu geben. Allerdings wird immer gefragt wie es dem anderen geht und darauf wird meistens auch eine Antwort und eine Gegenfrage erwartet.
Insgesamt sind die Australier zurückhaltend, aber ab und zu versuchen sie mit einem ins Gespräch zu kommen und dann können sie auch nicht mehr aufhören zu reden.
Die Lässigkeit hört auf, wenn es sie selbst von etwas betroffen sind, dann können sie sich auch prächtig darüber auslassen und über etwas aufregen. Das Aufregen benötigt unbedingt Bestätigung von dem Gegenüber und dauert oftmals länger, als das Gegenüber es für nötig halten würde...
Jetzt fällt mir gerade nix mehr ein... werde diesen Post noch vervollständigen.
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